Andreys und Lidiyas Wohnung duftete stets nach edlem Parfüm, frisch gebrühtem Kaffee und – in den letzten Monaten – nach einer kühlen Distanz. Andrey gefiel diese sterile Ordnung. Er schätzte es, wenn sich das Leben in Diagramme und Tabellen einordnen ließ. Als gefragter Anlageberater hielt er Gefühle für unbeständig und Zahlen für die einzig ehrliche Realität.
- Andrey, wir müssen reden. Ganz ehrlich.
Lydia blieb in der Türschwelle seines Büros stehen. Sie trug einen abgetragenen Pullover – denselben, den sie schon seit Jahren trug. Andrej bemerkte es nicht. Er hatte schon lange aufgehört, solche Kleinigkeiten zu beachten, es sei denn, sie störten seine Komfortzone.
„Wenn es darum geht, etwas erneut zu kaufen, lautet die Antwort weiterhin nein“, sagte er, ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden. „Das Budget ist bereits völlig ausgereizt. Die Nebenkosten haben diesen Monat das Budget überschritten.“
„Es geht nicht um materielle Dinge“, zögerte sie, fasste sich dann aber wieder. „Mama braucht dringend eine Operation. Ihr Herz. Auf die Quote zu warten, ist gefährlich. Wir brauchen eine halbe Million.“
Andrej drehte sich auf seinem Stuhl um. Sein Gesichtsausdruck verriet weder Besorgnis noch Mitgefühl – nur eine irritierte Verwirrung, als ob er Zeuge der finanziellen Unwissenheit eines Menschen würde.
„Eine halbe Million?“ Er lachte leise. „Lida, ist dir eigentlich klar, wovon du redest? Das sind keine Kleinigkeiten. Deine Mutter hat einen Sohn, sie hat Verwandte. Warum sollten wir das aus unseren Mitteln bezahlen?“
„Weißt du, mein Bruder ist arbeitslos“, erwiderte sie leise. „Und wir sind Familie. Du hast Geld auf dem Konto für ein neues Auto. Ist Technologie wirklich wichtiger als das Leben?“
Andrej stand auf und zupfte mechanisch an den Ärmeln seines Hemdes. Er liebte es, zu dominieren und den Raum mit seiner Präsenz zu erfüllen.
Seien wir ehrlich. Dieses Geld gehört mir. Ich habe es verdient. Ich bezahle deine Miete, dein Essen, deine Kurse. Ich bin kein Geldautomat, zu dem man rennt, sobald Angehörige Probleme haben. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.
Lydia sah ihn an, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Zehn Jahre Ehe. Zehn Jahre lang war sie seine Stütze, sein Rückgrat, die unauffällige Organisatorin seines Alltags und seines Seelenfriedens gewesen.
„Ist das das endgültige Ergebnis?“, fragte sie.
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