Ein lautes Klopfen erschütterte die schwere Eichentür.
Yusha ging auf den Eingang zu, sein Gesicht verhärtete sich wie die Maske des Arztes, der er einst gewesen war. Er öffnete die Tür und sah einen Mann, durchnässt vom eisigen Regen, in der schlammbedeckten Livree eines königlichen Boten. Hinter ihm stand eine zitternde schwarze Kutsche, deren Lampen wie verblassende Sterne flackerten.
„Ich suche einen Mann, der repariert, was andere wegwerfen“, keuchte der Bote und blickte in die Wärme der Hütte. „Man sagt im Ort, hier spukt ein Geist. Ein Geist mit göttlichen Händen.“
Yushas Blut gefror zu Eis. „Ihr sucht einen Bettler. Ich bin ein einfacher Mann.“
„Ein einfacher Mann kann nicht einmal das Leben eines Holzfällersohnes retten, indem er ihm den Schädel aufschlitzt“, erwiderte der Bote und trat vor. „Mein Herr liegt in der Kutsche. Er stirbt. Wenn er vor eurer Tür stirbt, wird dieses Haus noch vor Tagesanbruch in Schutt und Asche liegen.“
Zainab trat an Yusha heran und legte ihm die Hand auf die Schulter. Sie spürte das fiebrige Pochen seines Pulses. „Wer ist der Meister?“, fragte sie mit ruhiger, kalter Stimme.
„Der Sohn des Gouverneurs“, flüsterte der Bote. „Der Bruder des Mädchens, das beim Großen Brand ums Leben kam.“
Die Ironie bestand in der physischen Belastung. Dieselbe Familie, die Yusha in den Staub gejagt und sein Leben in Asche verwandelt hatte, drängte sich nun vor seiner Tür in der Kutsche und flehte um das Leben ihres Erben.
„Tu das nicht“, flüsterte Zainab, als der Bote sich zurückzog, um den Patienten zu holen. „Sie werden dich erkennen. Sie werden dich zum Galgen führen, sobald sich sein Zustand stabilisiert hat.“
„Wenn ich es nicht tue“, erwiderte Yusha mit heiserer, rauer Stimme, „werden sie uns beide jetzt umbringen. Und was noch schlimmer ist, Zainab … ich bin Arzt. Ich kann doch nicht zulassen, dass jemand im Regen verblutet, während ich eine Nadel in der Hand habe.“
Sie brachten einen jungen Mann herein – kaum neunzehn Jahre alt, sein Gesicht aschfahl, eine Schrapnellwunde von einem Jagdunfall eiterte in seinem Oberschenkel. Der Geruch von Wundbrand erfüllte den sauberen, nach Kräutern duftenden Raum wie ein widerlicher Eindringling in eine sterbende Welt.
Yusha arbeitete wie in Fiebertraum. Er benutzte nicht die primitiven Werkzeuge eines Dorfheilers. Er griff in ein verborgenes Fach unter dem Boden und zog eine Samtrolle mit silbernen Instrumenten hervor – Skalpelle, die das Feuerlicht mit einem tödlichen Schein reflektierten.
Zainab ahmte seinen Schatten nach. Sie musste das Blut nicht sehen, um zu wissen, wo sie die Schüssel hinstellen sollte; sie folgte dem Tropfen und der Hitze der Infektion. Mit stiller, eindringlicher Präzision bewegte sie sich und reichte ihm Seidenfäden und kochendes Wasser, noch bevor er darum bat.
„Halt die Lampe näher“, befahl Yusha, korrigierte sich dann aber mit einem Anflug von Schuldgefühl. „Zainab, du musst dein Gewicht auf seinen Druckpunkt verlagern. Hier.“
Er führte ihre Hand zur Leistengegend des Jungen, wo die Oberschenkelarterie wie ein gefangener Vogel pochte. Als sie drückte, riss der Junge die Augen auf. Er blickte auf, nicht zum Arzt, sondern zu Zainab.
„Engel“, krächzte der Junge mit heiserer Stimme im Delirium. „Bin ich … im Garten?“
„Du bist dem Schicksal ausgeliefert“, antwortete Zainab leise.
Als das erste graue Licht der Morgendämmerung durch die Fensterläden drang, sank das Fieber des Jungen. Die Wunde wurde gereinigt, die Arterie mit der Feinfühligkeit einer Spitzenklöpplerin genäht. Jusza saß auf einem Stuhl am Kamin, seine zitternden Hände bedeckten das Blut des Sohnes seines Feindes.
Der Bote, der aus der Ecke zugeschaut hatte, trat vor. Er betrachtete die silbernen Instrumente auf dem Tisch, dann Yushas Gesicht, das nun im Morgenlicht vollständig sichtbar war.
„Ich erinnere mich an dich“, sagte der Bote. „Ich war noch ein Junge, als die Gouverneurstochter starb. Ich sah dein Porträt auf dem Marktplatz. Fünf Jahre lang war ein Kopfgeld auf dich ausgesetzt.“
Yusha blickte nicht auf. „Dann mach das hier fertig. Ruf die Wachen.“
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